Vorbilder für Protagonisten – wie haltet ihr es?

„Gibt es denn reale Vor-Bilder für deine Protas?“

Ich weiß nicht, wie oft ich diese Frage schon gestellt bekommen habe, und inzwischen weiß ich auch, dass es nicht wenige Autorenkolleg(inn)en gibt, die auf Pinterest (jener Social Media Plattform mit den 77 Siegeln für mich) ganze Ahnengalerien ihrer Figuren erstellen, ehe sie zu schreiben beginnen, aber für mich war es in Sachen Melwyn eher ein Aha-Effekt, dass sie mit Kayterin so ein ausdrucksvolles Gesicht bekommen hat.

Mit Foy war es jetzt anders. Follower von meinem Blog wissen ja, dass es im Herbst ein vorgezogenes Fotoshooting gab, das der Magd aus Worms ein ganz reales Aussehen gab:

Arbeitstitel: Die Magd

Arbeitstitel: Die Magd

Aber auch Foys Herzbube Bjørgyn besitzt für mich ein reales Gesicht, und zwar schon viel länger, wie mir die Erinnerungsfunktion von Facebook aufgezeigt hat:

Internationaler Tag der Muttersprache

Heute, am internationalen Tag der Muttersprache blogge ich natürlich über die Protagonistin aus „Weihnachten auf Luxulyan“, „Die 13. Jungfrau“ und „Falkenherz – Bewährung der Schildmaid“, denn ihre Muttersprache, das Altnordische, das ich in meinen Büchern als „Dänisch“ bezeichne, begleitet Melwyn über alle drei Bände der Schildmaid-Saga hinweg.

Noch einmal würge ich, dann sehe ich sie von unten her an. Meine kleine, süße Schwester ist noch nie im Leben geschlagen worden. »Was hatte ich gesagt?«, speie ich zwischen zusammengepressten Zähnen hervor. 

»Du hast mich gehauen!«, heult sie. 

Ich stehe auf, packe sie an den Schultern und schüttele sie. »Was ich gesagt hatte!« 

»Ich … Ich weiß es nicht mehr!« Schniefend wischt sie sich über die Augen. 

»Bleib liegen und lauf weder zu mir noch ins Lager«, zische ich Elestren die Antwort zu. 

»Aber sie waren doch weg!«, jammert sie. 

»Egal was geschieht, hatte ich gesagt.« Ich drehe mich um und stapfe die Düne hinauf, beginne, das Holz wieder aufzusammeln. 

»Aber …« 

»Nichts aber!«, herrsche ich sie an. »Ich habe Vater geschworen, auf dich aufzupassen. Doch dazu musst du auf mich hören, Elestren!« Ich balle meine Hände zu Fäusten. »Oh, verflucht, verflucht, verflucht!«, rutscht mir im Eifer auf Dänisch heraus. 

»Was sagst du da, Melwyn?« Elestren weicht vor mir zurück und starrt mich an. 

»Du musst auf mich hören!«, wiederhole ich aufgebracht. 

»Das meine ich nicht«, sagt sie und verzieht ihr Gesicht. »Den Teil habe ich verstanden.« 

»Ach, hast du?« Meine Stimme ätzt, und wie ich es ausspreche, tut es mir schon leid. 

Sie nickt. »Ich verspreche dir, in Zukunft werde ich gehorchen.« 

»Schon gut.« Ich wische meine Hände am Strandhafer und Sand sauber, dann nehme ich Elestren in den Arm und gemeinsam sammeln wir das Holz auf. 

»Aber was hast du danach gesagt?«, fragt sie nach einer Weile. »Das in der fremden Zunge?« 

»Dafür musst du mir noch etwas versprechen.« Ich verziehe mein Gesicht, denn die Erkenntnis bohrt sich wie ein Dolch in mein Herz. Mit Nachdruck packe ich das Holz auf ihre Arme und lasse den Thorshammer im Halsausschnitt meines Kleids verschwinden. »Du darfst niemandem von eben erzählen.« 

»Aber warum nicht?«, fragt sie laut. »Du hast mich, wahrscheinlich uns alle gerettet!« 

»Weil es Dänisch war, Elestren.« Ich schlucke den ekligen Geschmack der Galle herunter, doch er bleibt zäh in meinem Mund haften. »Ich habe mich als Heidin ausgegeben.« 

Zudem spricht Melwyn mit (Alt)Kornisch natürlich auch die Muttersprache ihres Vaters und bei den Reisen durch das Rheinland lehrt Kevern ihr wichtige (in den Büchern als „Fränkisch“ bezeichnete) Grundbegriffe des Althochdeutschen.

Aufgrund der großen Ähnlichkeit des Althochdeutschen und Altenglischen, auf die mich ein aus Großbritannien stammender Dozent für Geschichte an der Uni Heidelberg bei einer zufälligen Plauderei vor etlichen Jahren aufmerksam machte (er berichtete davon, dass er mit seinem modernen Englisch vor den alten Manuskripten stand, wie der sprichwörtliche Ochs vor dem Berg, und erst, als er sich in eine deutsche Austauschstudentin verliebte, ihr nach Deutschland folgte und Deutsch lernte, fiel bei ihm plötzlich der Groschen und er gewann dank seiner neu gewonnenen Deutschkenntnisse einen erheblich einfacheren Zugang zu den altenglischen Texten – natürlich war seine Erzählung von einem Happy End gekrönt, denn die beiden sind inzwischen lange Jahre glücklich verheiratet 😻) konnte ich es mir dann auch erlauben, Melwyn bei ihrer Suche nach Ifill im Umland des wikingerzeitlichen Londons dann zumindest Brocken der altenglischgen Sprache verstehen, und ihrem Falken auf die Spur kommen zu lassen.

Aber auch im nächsten Streich, den Abenteuern von Foy, wird es um Muttersprache vs. Zweitsprache gehen, und ebenfalls in dem ganz brandheißen Projekt, das einen Genreausflug einläuten wird, an dem ich momentan immer wieder nebenher schreibe, weil die Protagonisten mich so sehr bedrängen.

Reblogged: Die Sache mit den Namen

Simonsegur hat sich die Frage gestellt:

Woher bekommt man die Namen für seine Figuren?

Eine beliebte Frage mit eigentlich beliebigen Antworten. Nur eines scheint klar zu sein: Der Name muss passen. Wie auch immer man den Namen findet – die Suche dauert so lange, bis man das Gefühl hat: „Ja! Nur so kann sie/er heißen!“
Germanisten untersuchen dieses Problem unter der Bezeichnung „literarische Onomastik“ (also in etwa „dichterische Namensgebung“).

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Wer meine Bücher kennt, wird wissen, dass ich ein Faible für eine Kategorie an Namen besitze, die ich in Abwandlung von Simonsegurs Aufzählungspunkt

4. sprechende Namen mit durchsichtiger Etymologie: Wurm, Joe Schwätzer.

eher als sprechende Namen mit undurchsichtiger Etymologie bezeichnen würde. *zwinker*

Die Tipps, die Simonsegur gibt, finde ich (in unterschiedlichem Maße) interessant:

Achtet darauf, Euren Figuren keine ähnlichen Namen zu geben – die Verwirrung beim Leser ist groß, wenn zwei Helden Sarah und Sascha heißen. Variiert nicht nur die Anfangsbuchstaben, sondern auch den Klang und die Silbenzahl der Namen.

Ja, das war mir bei meinem Debüt Die 13. Jungfrau so ergangen, und wurde glücklicherweise gleich beim ersten Lesen vom Verlagslektorat entdeckt, denn ich hatte wahrhaftig einen völlig unwichtigen Knecht, der nur erwähnt wird, um mitzuteilen, dass er zu Tode gekommen ist, mit Ömnungur verflixt ähnlich benannt wie Ögmundur, den Vater meines Helden Ifill.

Dieser Fauxpas ließ sich glücklicherweise ganz rasch beheben 😀

Zungenbrecher oder Sonderzeichen machen es den Lesern unnötig schwer. Gerade im Fantasybereich ärgere ich mich immer wieder über Namen wie Ksch’zklarpoeiö.

Jein. Nun, das erwähnte Ksch’zklarpoeiö würde nun auch auf mein Missfallen stoßen, aber wenn das Buch sonst gut geschrieben ist und der Name Sinn ergibt? Dann würde Ksch’zklarpoeiö in meinen Gedanken kurzerhand zu Klarpo mutieren.

Denn, ja:

Auch ich mute meinen Lesern komplizierte, gegebenenfalls schwer auszusprechende – aber dafür authentische! – Namen zu, denn mir hängen die ewigen Eriks, Leifs und Finns in den Wikingergeschichten ebenso zum Halse heraus, wie die gängigen Vorurteile über die Volksstämme aus dem Norden.

Aber, um meine Topf-Deckel-Theorie zu zitieren: Ich glaube, dass die Sorte Leser, denen meine Bücher runtergehen wie ein perfekt passender Deckel auf einen Topf, genau diese Art von Namen als Tüpfelchen auf dem i empfinden. Zumindest lassen es die Rückmeldungen vermuten.

Und ich bezeuge: Weder ich noch meine Figuren haben etwas dagegen, wenn aus dem alten Wolf Kveldúlfur in den Gedanken der Leser „Kwelli“ und aus Ögmundur „Öggi“ gemacht wird!

Die Klangfarbe muss stimmen. Bösewichter und Monster tragen nicht umsonst soviel dunkles „O“ im Namen: Mordor bei „Herr der Ringe“ etwa, die Morlocks in H.G. Wells „Zeitmaschine“ oder Voldemort bei „Harry Potter“. Auch tiefe A-Klänge passen zu Bösewichtern: Darth Vader oder Sauron. Zischlaute lassen einen Namen hart klingen, weiche Konsonanten wie l, m oder n führen zu „weichen“ Assoziationen.

Tja, dann habe ich ja alles richtig gemacht mit meinen Helden Ifill und Bjørgyn (ausgesprochen Pjörk-win, aber das wird in den Büchern erklärt).

Hat Deine Figur einen besonders ausgeprägten Charakterzug, gib diesen bei Google mit dem Zusatz „Namensbedeutung“ ein. Beispielsweise „Namensbedeutung Kämpfer“ führt zu interessanten Listen und Namen: Cygnus, Aline, Gilbert, Gudrun, Karl, Volker oder Schwirzus. Auch wenn die Leser etymologische Bedeutungen nicht unbedingt nachschlagen werden, „passt“ ein solcher Name nur umso besser.

Genau. Damit wären wir wieder oben bei den bereits erwähnten sprechenden Namen mit undurchsichtiger Etymologie – bzw. mit einer Etymologie, die dem Leser erst früher oder später deutlich gemacht wird.

Mein Heldin Melwyn leidet sehr darunter, denn sie findet ihr Äußeres nicht hübsch, geschweige denn, dass sie heißt (und aussieht) wie der Honigschimmer, den ihr Name besagt.

Ifill hingegen trägt den ihm den Namen gebenden Falken gleich als Hautstecherei auf seinem Rücken.

Foy, deren Name Vertrauen bedeutet, muss gerade solches erst finden – und wer wäre geeigneter, um ihr dabei zu helfen, als ein etwas zwielichtiger Held namens Bjørgyn, dessen Name für einen rettenden Freund steht?

Googel noch etwas: deine ausgedachten Fieslinge. Damit nicht Dein brutaler Massenmörder zufällig den Namen einer realen, halbwegs bekannten Persönlichkeit trägt …

Das Problem habe ich mit meinen historischen Settings nun nicht gerade, und auch wenn ich der ein oder anderen historischen Figur, die ich auftreten lasse, manch nicht so ganz freundliche Züge zuschreibe, so hoffe ich doch, dass sich nach rund 1200 Jahren niemand findet, der sich davon auf den Schlips seines Ur-ur-ur-ur-….-ur-Opas getreten fühlt.

Aber bei den zeitgenössischen Plotideen (ja, auch so etwas gibt es) – da werde ich diesen Rat dann doch beherzigen!

 

Reblogged (Kulinarisch): Lussekatter (Luciabrötchen)

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Zum heutigen Luciatag gibt es als re-Blog das Rezept für original schwedische Lussekatter von letztem Jahr!

Nachdem ich auf Facebook dezent auf mein gegebenes Versprechen hingewiesen wurde, mein Rezept für Lussekatter zu bloggen, komme ich dem noch schnell vor Weihnachten nach.

Lussekatter, schwedisch für Luciabrötchen, sind ein Safran-Hefe-Gebäck, das traditionell am Lucia-Tag, dem 13. Dezember, gebacken und verspeist wird.

Schon allein an ihrer Formgebung sind die heidnischen Wurzeln des „Sonnengebäcks“ leicht zu erkennen, ebenso wie die gesamte Ausprägung (unter anderem ziehen jungen Frauen mit brennenden Kerzen in Lichterkränzen auf dem Kopf in Einrichtungen wie Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser und Altersheime ein) auf den uralten Brauch eines Lichterfests zur Wintersonnwende am 21./22. Dezember hindeutet.

Es ist gut vorstellbar, dass meine Protagonistin Melwyn in der Küche ihrer dänischen Mutter am Mittwinterfest ein ähnliches Gebäck zubereitet hat.

Doch hier, wie versprochen, das Rezept:

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