Interna aus dem Autorenleben | Reblogged: Die Sache mit den Namen

Simonsegur hat sich die Frage gestellt:

Woher bekommt man die Namen für seine Figuren?

Eine beliebte Frage mit eigentlich beliebigen Antworten. Nur eines scheint klar zu sein: Der Name muss passen. Wie auch immer man den Namen findet – die Suche dauert so lange, bis man das Gefühl hat: „Ja! Nur so kann sie/er heißen!“
Germanisten untersuchen dieses Problem unter der Bezeichnung „literarische Onomastik“ (also in etwa „dichterische Namensgebung“).

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Wer meine Bücher kennt, wird wissen, dass ich ein Faible für eine Kategorie an Namen besitze, die ich in Abwandlung von Simonsegurs Aufzählungspunkt

4. sprechende Namen mit durchsichtiger Etymologie: Wurm, Joe Schwätzer.

eher als sprechende Namen mit undurchsichtiger Etymologie bezeichnen würde. *zwinker*

Die Tipps, die Simonsegur gibt, finde ich (in unterschiedlichem Maße) interessant:

Achtet darauf, Euren Figuren keine ähnlichen Namen zu geben – die Verwirrung beim Leser ist groß, wenn zwei Helden Sarah und Sascha heißen. Variiert nicht nur die Anfangsbuchstaben, sondern auch den Klang und die Silbenzahl der Namen.

Ja, das war mir bei meinem Debüt Die 13. Jungfrau so ergangen, und wurde glücklicherweise gleich beim ersten Lesen vom Verlagslektorat entdeckt, denn ich hatte wahrhaftig einen völlig unwichtigen Knecht, der nur erwähnt wird, um mitzuteilen, dass er zu Tode gekommen ist, mit Ömnungur verflixt ähnlich benannt wie Ögmundur, den Vater meines Helden Ifill.

Dieser Fauxpas ließ sich glücklicherweise ganz rasch beheben 😀

Zungenbrecher oder Sonderzeichen machen es den Lesern unnötig schwer. Gerade im Fantasybereich ärgere ich mich immer wieder über Namen wie Ksch’zklarpoeiö.

Jein. Nun, das erwähnte Ksch’zklarpoeiö würde nun auch auf mein Missfallen stoßen, aber wenn das Buch sonst gut geschrieben ist und der Name Sinn ergibt? Dann würde Ksch’zklarpoeiö in meinen Gedanken kurzerhand zu Klarpo mutieren.

Denn, ja:

Auch ich mute meinen Lesern komplizierte, gegebenenfalls schwer auszusprechende – aber dafür authentische! – Namen zu, denn mir hängen die ewigen Eriks, Leifs und Finns in den Wikingergeschichten ebenso zum Halse heraus, wie die gängigen Vorurteile über die Volksstämme aus dem Norden.

Aber, um meine Topf-Deckel-Theorie zu zitieren: Ich glaube, dass die Sorte Leser, denen meine Bücher runtergehen wie ein perfekt passender Deckel auf einen Topf, genau diese Art von Namen als Tüpfelchen auf dem i empfinden. Zumindest lassen es die Rückmeldungen vermuten.

Und ich bezeuge: Weder ich noch meine Figuren haben etwas dagegen, wenn aus dem alten Wolf Kveldúlfur in den Gedanken der Leser „Kwelli“ und aus Ögmundur „Öggi“ gemacht wird!

Die Klangfarbe muss stimmen. Bösewichter und Monster tragen nicht umsonst soviel dunkles „O“ im Namen: Mordor bei „Herr der Ringe“ etwa, die Morlocks in H.G. Wells „Zeitmaschine“ oder Voldemort bei „Harry Potter“. Auch tiefe A-Klänge passen zu Bösewichtern: Darth Vader oder Sauron. Zischlaute lassen einen Namen hart klingen, weiche Konsonanten wie l, m oder n führen zu „weichen“ Assoziationen.

Tja, dann habe ich ja alles richtig gemacht mit meinen Helden Ifill und Bjørgyn (ausgesprochen Pjörk-win, aber das wird in den Büchern erklärt).

Hat Deine Figur einen besonders ausgeprägten Charakterzug, gib diesen bei Google mit dem Zusatz „Namensbedeutung“ ein. Beispielsweise „Namensbedeutung Kämpfer“ führt zu interessanten Listen und Namen: Cygnus, Aline, Gilbert, Gudrun, Karl, Volker oder Schwirzus. Auch wenn die Leser etymologische Bedeutungen nicht unbedingt nachschlagen werden, „passt“ ein solcher Name nur umso besser.

Genau. Damit wären wir wieder oben bei den bereits erwähnten sprechenden Namen mit undurchsichtiger Etymologie – bzw. mit einer Etymologie, die dem Leser erst früher oder später deutlich gemacht wird.

Mein Heldin Melwyn leidet sehr darunter, denn sie findet ihr Äußeres nicht hübsch, geschweige denn, dass sie heißt (und aussieht) wie der Honigschimmer, den ihr Name besagt.

Ifill hingegen trägt den ihm den Namen gebenden Falken gleich als Hautstecherei auf seinem Rücken.

Foy, deren Name Vertrauen bedeutet, muss gerade solches erst finden – und wer wäre geeigneter, um ihr dabei zu helfen, als ein etwas zwielichtiger Held namens Bjørgyn, dessen Name für einen rettenden Freund steht?

Googel noch etwas: deine ausgedachten Fieslinge. Damit nicht Dein brutaler Massenmörder zufällig den Namen einer realen, halbwegs bekannten Persönlichkeit trägt …

Das Problem habe ich mit meinen historischen Settings nun nicht gerade, und auch wenn ich der ein oder anderen historischen Figur, die ich auftreten lasse, manch nicht so ganz freundliche Züge zuschreibe, so hoffe ich doch, dass sich nach rund 1200 Jahren niemand findet, der sich davon auf den Schlips seines Ur-ur-ur-ur-….-ur-Opas getreten fühlt.

Aber bei den zeitgenössischen Plotideen (ja, auch so etwas gibt es) – da werde ich diesen Rat dann doch beherzigen!

 

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