Blutdürstende Wikinger: Fiktion oder Fakt?

Meine Mentorin Sabine Altenburg zwitscherte jüngst einen interessanten Beitrag auf ihrer Twitter-Timeline:

Sabine Altenburg @SabineAltenburg

Big Viking families nurtured murder buff.ly/2f3hBTD
#Archäologie #Geschichte #archaeology #history …

Big Viking families nurtured murder

Killers more likely to belong to large extended clans, victims to small vulnerable ones

By Bruce Bower12:33pm, October 3, 2016

Murder was a calculated family affair among Iceland’s early Viking settlers. And the bigger the family, the more bloodthirsty.

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Ich übersetze mal …

Große Wikingerfamilien beförderten Mord

Mörder gehörten eher zu großen, ausgedehnten Familienverbänden, ihre Opfer zu kleinen, verwundbaren

Bei Mord handelte es sich um eine einkalkulierte Familienangelegenheit unter den frühen wikingerzeitlichen Siedlern auf Island. Und je größer die Familie, umso blutrünstiger.

Hihihi

Hihihi

Daten aus drei Familiengeschichten, die sechs Generationen umfassen, unterstützen die Vorstellung, dass Unterschiede in der Familiengröße haben bereits seit langem beeinflusst haben, wer in kleinen Gesellschaften wen getötet hat. Diese epischen Geschichten oder Sagas erfassen alles von Geburten und Ehen, über Handelsgeschäfte und Fehden.

Die isländischen Wikinger-Mörder hatten durchschnittlich fast dreimal so viele biologische Verwandte und Schwiegereltern wie ihre Opfer, sagt ein Team des evolutionären Psychologen Robin Dunbar von der University of Oxford. Für fünf oder mehr Morde verantwortliche Serienmörder zogen den größten Vorteil aus der Zahl ihrer Verwandten, berichten die Wissenschaftler am 20. September online in Evolution and Human Behavior.

Besonders erfolgreiche Mörder wählten ihre Opfer sorgfältig und wußten, daß ihre großen Familien Angriffe von den kleineren Familien der Getöteten abschrecken würden, behaupten die Forscher. Diese Tötungsdelikte wurden durch Landnahmen motiviert, vermuten sie. Einmalige Mörder tendierten hingegen dazu, nur geringfügig größere Familien zu haben als die ihrer Opfer; in diesen Fällen hatten möglicherweise Beleidigungen oder gegenseitiges Aufstacheln dazu geführt, dass die Morde verübt wurden.

Und so weiter.

Muss das verwundern? Wohl kaum, wenn man seine Hávamál kennt …

Schließlich rät Odin selbst in seiner „Rede des Hohen“ seinen Anhängern:

Früh aufstehen muss, wer Verlangen verspürt
auf eines anderen Leib und Leben.
Die Beute entkommt dem lahmen Wolf,
selten siegreich ist der Schläfer.

Sprich, wir stehen vor einer Gesellschaft, in der – auf den ersten Blick völlig konträr zu dem, was heute zur Norm erhoben wird – das Recht des Stärkeren propagiert wurde.

Heute, sagen wir im Brustton der Überzeugung, sind wir natürlich kulturell über solche geradezu prähistorisch anmutenden Abgründe der menschlichen Habgier weit erhaben.

… und vergessen wohlweislich, dass dies nur für den lahmen, schlafenden Teil der Bevölkerung gilt, jenen Schäfchen, die dem ungezügelten Jagdtrieb der Wölfe dank TTIP, CETA und der auf Pöstchen verlangen verspürenden Hilfs-Wölfe aus den Reihen der EU- und nationalen Politik schutzlos ausgeliefert werden.

(Womit mal wieder Punkt 8 von Peter Pranges literarischem Credo bestätigt wird „Ein historischer Roman ist ein Gegenwartsroman“.)

Aber zurück zum Artikel:

Natürlich verwundert es mich nicht, dass jene Serienmörder, die ihre an sich bereits großen Besitztümer durch eines anderen Leib und Leben zu vergrößern suchten, mit besonders zahlreichen Taten in Erscheinung traten.

Ich meine, ganz abgesehen davon, dass solches Verhalten durch den damaligen Sittenkodex, festgehalten in der Hávamál, legitimiert wurde, erscheint es mir logisch, dass nur solche Gewohnheitsmörder sich mit ihren Taten brüsten können – indem sie die zu ihrem Ruhm für die Nachkommen in Sagas niederlegen lassen – wenn sie über genügend streitbare Verwandtschaft verfügen, die im Falle eines Rachefeldzugs der Opfer sich an ihre Seite stellen.

Man muss sich das vorstellen: Nicht nur, dass die isländischen Großkapitalisten der Wikingerzeit sich völlig ungestraft nahmen, wonach es ihnen verlangte – nein, sie ließen darüber auch noch Epen und Lieder dichten!

Erinnert irgendwie an die aktuellen Börsennachrichten und das Manager-Magazin?

Nicht nur mich … wobei wir bei der Frage anlangen, die mir oft gestellt wird:

„Würdest du gerne in der Zeit von Melwyn, Foy und Co. leben?“ – „Nein. Nicht wirklich. Ganz abgesehen davon, dass Raubtier-Kapitalisten irgendwie ungefährlicher erscheinen, wenn sie nicht mit Streitaxt und Schwert, sondern nur mit in Hinterzimmern ausgehandelten Abkommen und Geheimabsprachen unterwegs sind, ganz entscheidend wird mein ‚Nein‘ durch den Fakt untermauert, dass ich im 9. Jahrhundert im zarten Alter von 12 Jahren abgenippelt wäre. Blinddarmdurchbruch. Das bedeutete damals: Exitus.“

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