„Wir Autoren schreiben niemals gleich so perfekt, dass es in Druck gehen kann“

… sagt Tanja Kinkel im Interview auf kapitel eins, und was soll ich sagen?

Sie hat recht!

Am Donnerstag erreichte mich ePost vom Verlag: Nachdem das Lektorat abgeschlossen ist, ging das Manuskript von DIE 13. JUNGFRAU nun im nächsten Überarbeitungsschritt ins Korrektorat, auf dass hoffentlich auch die letzten, sich hartnäckig versteckenden Fehler entdeckt werden. 

Wie bereits von Mara Winter in ihrem Gastbeitrag so treffend klargestellt, braucht jedes Buch ein professionelles Lektorat, um den berechtigten Ansprüchen der Leser an Logik, Spannung und sprachliche Qualität zu genügen.

Wer meint, auf Lektorat und Korrektorat verzichten zu können, den trifft die Kritik in Form von vernichtenden Rezensionen dann eben nach der Veröffentlichung.

Die Entscheidung des Verlags oder des Selfpublishers, das Manuskript vor der Freigabe von einem Lektor auseinandernehmen zu lassen (und danach nochmals durch einen Korrektor kontrollieren zu lassen) verlagert diese „Haupt- und Abgasuntersuchung“ fürs Buch gewissermaßen in den Bereich hinter den Kulissen.

Für mich beziehungsweise für meine Melwyn lief das Verlagslektorat eher unspektakulär ab, denn wie meine Verlegerin Frau Stipetic schon angekündigt hatte, gab es keine groben Schnitzer auszubügeln, Plotlöcher zu stopfen oder gar durchhängende Spannungskurven zu stopfen.

Und weshalb? Etwa, weil ausgerechnet ich so perfekt schreiben würde, dass es in Druck gehen kann?

Nein, weit gefehlt!

Das liegt nur daran, weil ich ein ganz hervorragendes Team an Korrekturlesern in meiner Schreibgruppe habe, die in perfekter Arbeitsteilung mich einerseits loben indem sie gelungene Stellen grün markieren oder mit fetten Smileys versehen – und die mir andererseits schonungslos offen auf den Kopf zu sagen, wenn ich mich vergaloppiert habe.

Als Autor braucht man eben auch seine Streicheleinheiten … Auch wenn es „nur“ um ein weihnachtliches Prequel geht. Nur wenn man zuvor gelobt wurde, kann man Aussagen wie die folgende als das nehmen, was sie sind: konstruktive Kritik

An sich ist der Text natürlich wieder gut geschrieben etc. pp., Schwierigkeiten hatte ich diesmal ganz stark mit dem Höhepunkt. Den fand ich viel zu gekünstelt. Du beginnst es mit einem dermaßen starken Trommelwirbel, baust das „Vorspiel“ so lange aus, dass das Interesse völlig erlahmt und lässt es dann zerplatzen, sodass man sieht, dass wirklich nichts hinter diesem großen Ballon stand. Dein Höhepunkt ist genau genommen ein Betrug und deswegen funktioniert er für mich nicht.

Harte Worte? Ja. Das sind harte Worte. Und doch, um das alte Sprichwort abzuwandeln: Loben ist Silber, Kritisieren ist Gold.

Es war unglaublich befreiend, nach dieser „Vorbemerkung“ in die Kommentare zum Textdokument zu schauen. Meine Korrekturleserin hatte zielgenau den Finger an genau die Stellen gelegt, die nicht funktioniert haben – und auf einmal stürzte der aufgestapelte Holzstoß vor meinem Kopf in sich zusammen und gab die Sicht frei.

Ich stürzte mich mit Elan in die Überarbeitung – auf einmal waren all die Knoten in meinem Kopf geplatzt, aufgelöst und mir wurde viel klarer, was ich eigentlich schreiben wollte.

Und dann kam der überarbeitete Text zurück …

Viel, VIEL besser. Bin ich froh, dass ich das so hart angemerkt hab, ich habe schon kurz gezögert. Aber wenn ich das lese … klopfe ich mir mal selbst auf die Schulter xD

Ganz ehrlich, gerade nach der ungeschminkten Kritik zuvor trieb dieses Lob mir ein doppelt fettes Grinsen ins Gesicht.

Ich liebe meine Korrekturleser – vielen, vielen Dank an euch, für die Zeit, die ihr mir schenkt, für die Watschen, die ihr mir verdienterweise verpasst und für die Blumen, die ihr mir nie schenkt, sondern die ich mir verdienen muss. Darf. Will.

Danke! Ihr seid die Besten!

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